Neustart im Frauen-Radsport in Thüringen
Thüringen-Rundfahrt vor Comeback: Frauenrennen startet in Gera
Der Neustart des Frauen-Radsports in Thüringen nimmt konkrete Formen an: Für den 21. Juni 2026 ist in Gera ein Eintagesrennen geplant, das bereits zur UCI ProSeries zählt und als Auftakt für eine spätere Rundfahrt dienen soll. Damit wäre ein Jahr nach dem Aus der Thüringen-Rundfahrt der Frauen zumindest wieder hochklassiger Profi-Radsport im Freistaat im Kalender verankert.
Ein erster organisatorischer Meilenstein ist gesetzt: Die Stadt Gera und der Veranstalter haben den Vertrag für die „Thüringen Women Cycling Challenge“ unterzeichnet. Das Rennen soll 2026 zunächst als Eintagesformat stattfinden – mit dem erklärten Ziel, in den folgenden Jahren schrittweise wieder zu einer mehrtägigen Rundfahrt anzuwachsen.
Gera wird zum Startpunkt des Neustarts
Mit der Vertragsunterzeichnung ist das Projekt in der Planung abgesichert – und zugleich bewusst vorsichtig angelegt. Austragungsort ist Gera, wo am 21. Juni 2026 die „Thüringen Women Cycling Challenge“ stattfinden soll. Sportlich ist die Veranstaltung als Eintagesrennen in die UCI ProSeries eingeordnet.
Diese Einstufung ist für das Comeback mehr als nur ein Etikett: Die ProSeries ist im internationalen Straßenradsport die Ebene direkt unterhalb der WorldTour. Für ein neu aufgesetztes Rennen bedeutet das vor allem: Es ist Teil eines weltweit geführten Kalenders, vergibt relevante Punkte für die Weltrangliste und wird für Teams und Fahrerinnen planbarer – ein entscheidender Faktor, wenn ein Standort nach einer Zäsur Vertrauen bei Teams, Partnern und öffentlichen Stellen zurückgewinnen will.
Auffällig ist dabei die Strategie hinter dem Format: Nach dem Ende der früheren Thüringen-Rundfahrt setzt der Neustart kleiner an. Statt sofort mehrere Renntage, Logistik und Sicherheitskonzepte für eine Rundfahrt zu stemmen, wird zunächst ein einzelner Renntag organisiert – als Testlauf mit überschaubarem Risiko, aber mit internationaler Einordnung.
Der Ferberturm soll das Rennen entscheiden
Sportlich soll das Rennen ein klares Profil bekommen. Die Strecke führt zunächst 80 Kilometer durch das Umland von Gera; anschließend sind im Stadtgebiet fünf Schlussrunden vorgesehen. Prägend soll vor allem der Anstieg zum Ferberturm werden: 1,7 Kilometer lang, durchschnittlich sechs Prozent Steigung.
Gerade in einem Eintagesrennen, in dem es keine „zweite Chance“ über mehrere Etappen gibt, können solche wiederkehrenden Belastungsspitzen den Charakter komplett bestimmen. Fünf Schlussrunden bedeuten, dass sich das Feld mehrfach am gleichen Anstieg sortieren muss – ein Szenario, das Attacken begünstigt und das Rennen in der Schlussphase eher selektiv als sprintorientiert machen dürfte. Der Ferberturm ist damit nicht nur Kulisse, sondern der geplante sportliche Hebel, um dem Neustart eine klare, wiedererkennbare Dramaturgie zu geben.
Aus dem Eintagesrennen soll wieder eine Rundfahrt werden
Die „Thüringen Women Cycling Challenge“ ist als Nachfolger der nicht mehr stattfindenden Thüringen-Rundfahrt gedacht. Die frühere Rundfahrt war im vergangenen Jahr abgesagt worden; als Hauptgrund galten fehlende finanzielle Mittel. Kurz darauf wurde das endgültige Aus nach 36 Auflagen bekanntgegeben.
Der Neustart in Gera ist deshalb vor allem als Wiederaufbau angelegt – finanziell wie organisatorisch. Ein Eintagesrennen reduziert Kosten und Komplexität (unter anderem bei Sperrungen, Sicherheits- und TV-Produktion), ohne den Anspruch auf internationalen Spitzensport aufzugeben. Genau diese Balance dürfte darüber entscheiden, ob sich das Projekt in den kommenden Jahren stabilisieren lässt.
Für die nächsten Schritte existieren bereits Zeitpläne: 2027 ist eine Tour über drei Tage vorgesehen, für 2028 ein Format über sechs Tage. Der Termin 21. Juni 2026 markiert damit nicht nur ein einzelnes Rennen, sondern den ersten konkreten Baustein auf dem Weg zurück zu einer Rundfahrt im Frauen-Radsport in Thüringen.

